Wohnen im Kleingarten

Erfurt hat ein Problem – und keine Lösung

Eigentlich sind Lauben zum Gärtnern da, nicht zum Schlafen. Doch in einigen Erfurter Kleingartenanlagen scheint diese Grenze längst verschwommen. Manche Pächter nutzen ihre Parzelle nicht nur an Sommerwochenenden – sie haben sich dort schlicht zu Hause eingerichtet. Dauerhaft. Und illegal.

 

Günstiger geht’s kaum

Wer eine Briefkastenadresse bei Freunden anmeldet und ansonsten in der Laube lebt, zahlt für sein Zuhause kaum mehr als ein Trinkgeld. Bei 13 Cent pro Quadratmeter Pacht ist das schlicht die günstigste Wohnform, die Erfurt zu bieten hat. Kein Wunder also, dass der eine oder andere diese Lücke nutzt – zumal viele Hütten aus DDR-Zeiten längst mehr sind als ein schlichtes Gartenhaus. Anbauten, Terrassen, gut 50 Quadratmeter: Komfortabel lässt sich’s dort durchaus leben.

Verdacht ja, Beweis nein

Frank Möller vom Stadtverband der Kleingärtner hat sechs Fälle auf dem Tisch, hinter denen sein Verband konkreten Verdacht sieht. Die wahre Zahl dürfte höher liegen – nur ist sie kaum zu belegen. Tägliche Kontrollgänge sind für einen ehrenamtlich geführten Verband schlicht nicht zu leisten. Einen Anhaltspunkt könnten Strom- und Wasserabrechnungen liefern, doch auch dort stößt Möller an Grenzen: Viele Parzellen haben eigene Zähler, deren Daten für den Verband nicht einsehbar sind.

Ein Ehrenamt, das an seine Grenzen stößt

Was Möller besonders wurmt: Er soll’s richten – aber ohne Rückendeckung. Die Stadt verweist auf den Stadtverband als Zwischenpächter und damit auf dessen Verantwortung. Doch juristische Auseinandersetzungen mit einzelnen Pächtern sind eine ganz andere Hausnummer als das Organisieren von Gartenfesten. Möller will das Thema im Mai in den Kleingartenbeirat tragen und endlich eine klare Zuständigkeit auf Stadtebene durchsetzen.

Politisch fühlt er sich weitgehend allein. Einzig die CDU hat bislang ein offenes Ohr gezeigt, bei anderen Fraktionen überwiegt das Desinteresse. Dabei stehen hinter dem Konflikt handfeste stadtpolitische Fragen: 20.000 Kleingärtner pflegen in Erfurt eine Grünfläche von der Größe von 500 Fußballfeldern. Wer über Klimaneutralität redet, sollte das vielleicht im Hinterkopf behalten.